Aktion „faire Rosen“ am Weltfrauentag am 08. März 2021 in Stockelsdorf
Sabine Gall-Gratze, Gudrun Dietrich, Wilhelm Fritzen, Julia Samtleben

In Stockelsdorf werden faire Rosen und Infomaterial, um auf die Rechte der Arbeiter:innen in den Anbauländern hinzuweisen, am Weltfrauentag verteilt. v.l.: Sabine Gall-Gratze (Fairtrade Gruppe Stockelsdorf), Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Stockelsdorf Gudrun Dietrich, Wilhelm Fritzen (Fairtrade Gruppe Stockelsdorf), Bürgermeisterin Julia Samtleben

(Foto: Gemeinde Stockelsdorf)
Ein schöner Strauss Rosen zum Weltfrauentag – das ist eine nette Geste. So sagen doch Blumen oft mehr als Worte – und jeder erfreut sich an ihnen. Was den wenigsten jedoch beim Kauf bewusst ist, sind die Bedingungen, unter denen die Blumen angebaut werden.
Zum Weltfrauentag am 08. März setzt Fairtrade Stockelsdorf deshalb ein Zeichen: Die örtliche Fairtrade-Gruppe und die Gleichstellungsbeauftragte verschenken faire Rosen und Infomaterial, um auf die Rechte der Arbeiter:innen in den Anbauländern hinzuweisen.

Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben unterstützt die Aktion: „Fairtrade-Blumen entsprechen den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung. Mit dieser Aktion wollen wir als Fairtrade-Gemeinde unsere Verantwortung für globale Gerechtigkeit wahrnehmen, zu der jede:r einen Beitrag leisten kann.“

Weil die deutsche Blumenproduktion die Nachfrage nicht befriedigen kann, werden gut 80% der Schnittblumen importiert. Ein Großteil kommt von Blumenfarmen aus Kenia, Äthiopien, Uganda oder aus Ecuador. Hunderttausende Angestellte sind dort mit der Aufzucht, der Ernte und dem Verpacken beschäftigt. Rd. die Hälfte der Beschäftigten sind Frauen, viele sind alleinerziehend, verfügen über einen niedrigen Bildungsstand und haben keine Alternative zu der schlecht bezahlten Arbeit. Hier setzt Fairtrade an. Fairtrade zahlt Mindestlöhne und Prämien und führt Bildungs- und Gesundheitsprojekte für die Arbeiter:innen vor Ort durch. Im Jahr 2019 gab es in sechs Ländern 73 Fair-Trade-Blumenfarmen, in denen unter anderem Versammlungsfreiheit und klare Arbeitszeitregelungen gelten und Schutzkleidung gewährt wird. Außerdem müssen strenge Umweltkriterien eingehalten werden.

„Wir unterstützen die Arbeitsbedingungen der Menschen, die diese Blumen produzieren. Mit jeder verschenkten Rose ermuntern wir Stockelsdorfer Bürger:innen zum bewussten Konsum und tragen dazu bei, die Arbeitssituation in den Anbauländern zu verbessern. Fairtrade bietet faire Arbeitsverträge, gewährt Mutterschutz und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vieles mehr“, so Sabine Gall-Gratze von der Fairtrade Gruppe Stockelsdorf.

„Wer die Blumenarbeiterinnen stärken will, kann das ganz einfach durch den Kauf von Fairtrade-Blumen tun“, so die Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich. „Fairtrade stärkt systematisch die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die in den Produktionsländern noch lange nicht erreicht ist. In Gender-Trainings werden Frauen für Themen wie sexuelle Belästigung und Diskriminierung sensibilisiert und lernen, selbstbewusster aufzutreten und Führungspositionen einzunehmen“, zitiert die Gleichstellungsbeauftragte die Ziele von Fairtrade.

Einen weiteren Aspekt betont Wilhelm Fritzen von Fairtrade Stockelsdorf: „An fair gehandelten Blumen gibt es oft die Kritik, dass diese ja lange Transportwege benötigen und wir doch in Europa keinen Mangel an Blumen haben, weshalb ein aufwendiger Import sinnlos ist. Dem ist entgegenzuhalten, dass speziell im Winter die europäischen Blumen - allen vorweg aus Holland - in Gewächshäusern gezogen werden, was energetisch viel aufwendiger ist als der Import.“

Die Aktion findet am Montag den 08. März um 14 Uhr vor dem Stockelsdorfer ALDI und REWE unter Beachtung der aktuellen Abstands- und Hygieneregeln statt. Fairtrade Stockelsdorf und die Gleichstellungsbeauftragte hoffen, ihre anderen, coronabedingt verschobenen Veranstaltungen zum Thema faire Kleidung in diesem Jahr nachholen zu können, da wir Konsument:innen auch in diesem Bereich einen gewissen Einfluss auf den Markt und somit die Produktionsbedingungen haben.

Hintergrund:

Seit 2005 gibt es das Fairtrade-Siegel für bessere Arbeitsbedingung auf Blumen- und Pflanzenfarmen. Fairtrade ist eine weltweite Bewegung, die Produzenten und Beschäftigte in Afrika, Asien und Lateinamerika für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen unterstützt. Der Dachverband Fairtrade International mit Sitz in Bonn legt die Standards fest, die Produzenten sind gleichberechtigt an allen Entscheidungen beteiligt.
Quelle: Gemeinde Stockelsdorf