Kunst am Bau
Wenig beachtete Kunstwerke in Stockelsdorf
Die Gießende
(Foto: Joerg Schiessler)
Stockelsdorf gilt nicht grade als hübscher Ort, da gibt es andere mit baumgesäumten Straßen und belebten Marktplätzen, aber wer mit offenen Augen durch Stodo geht, kann die Bemühungen, diesen Ort durch Kunstwerke attraktiver zu gestalten, entdecken.
So findet sich zum Beispiel auf dem Gelände der Gemeindewerke eine Bronzestatue des Künstlers Gerhard Eisenblätter: Die Gießende, aus dem Jahr 1965. Zu ihren Füßen befindet sich ein grün gekacheltes Becken, in das sich früher das Wasser aus ihrem Krug ergoß. Damals war das alte Gebäude noch das Hauptgebäude des Wasserwerkes und somit kam auch die Statue gut zur Geltung.
Warum ist sie so grün?
Bronzeskulpturen werden in der Regel künstlich patiniert, unter anderem um ihnen einen individuellen Ausdruck zu verleihen. Deswegen schimmern Bronzefiguren nicht immer auch bronzefarben. Da aber Eisenblätters anderen Werke in Stockelsdorf noch nicht ganz so grün aussehen, wird hier die Patina zu großen Teilen witterungsbedingt sein, da sie nicht immerzu geputzt wird. Das mag bei „Putzteufeln“ und Liebhabern von glänzenden Gegenständen nicht gut ankommen, verleiht ihr aber mehr Charakter und ist natürlich.
Gerhard Eisenblätter wurde 1907 in Königsberg geboren und ließ sich zum Theatermaler und Bühnenbildner ausbilden. Nach Kriegsende verschlug es ihn nach Stockelsdorf und hier hat er bis zu seinem Tod 1975 viele Kundswerke fertiggestellt. So ist unter anderem in der Westfälischen Wilhelms Universität ein großes Wandmosaik von ihm zu sehen und auch die Stadt Lübeck hatte einige seiner Mosaike erworben, die jetzt aber als „nicht mehr erhalten“ geführt werden.
Weitere Kunstwerke in Stockelsdorf von ihm sind Der Vogel (1969) rechts vor dem Eingang der Gerhart-Hauptmann-Schule als Symbol für den Aufbruch ins All, aber auch für das Flüggewerden des Menschen und das Sitzende Mädchen auf einem roten Backsteingemäuer vor der Grundschule Ravensbusch.
Nicht für jedermann´s Augen sichtbar sind die Wandgestaltung im Inneren der Hilgendorf-Schule durch Abkratzen der oberen Farbschichten (Sgraffito-Technik) und das Relief im alten Wasserwerk-Gebäude.
Natürlich kann Stockelsdorf nicht mit den alten Gebäuden von Lübeck mithalten, aber auch in Stockelsdorf waren und sind Künstler ansässig und haben den Ort mitgestaltet.
Wir danken unseren Lesern für ihre Hinweise.
Inken Schmidt