Stockelsdorf begegnet künftigen Stromausfällen mit Notfallplan
Bürgermeisterin Julia Samtleben im Krisenzentrum

Bürgermeisterin Julia Samtleben im "Lagezentrum" von Stockelsdorf, eingerichtet für Notfallsituationen im Rathaussaal.

(Foto: Inken Schmidt/Stodo.News)
Stromausfälle treten nicht mehr so selten in Stockelsdorf auf wie noch vor einigen Jahren. Erst kürzlich gab es wieder einen kleineren Ausfall, bei dem Teile der Gemeinde ohne Strom waren. Aufgrund der Einspeisung von vielen unterschiedlichen Stromproduzenten - z. B. Solar- und Windkraftanlagen - kann es zu Netzschwankungen kommen und das Umspannwerk in Pohnsdorf schaltet sich ab. In der Regel sind diese Ausfälle schnell behoben, aber das kann man vorher nicht wissen. Daher hat die Gemeinde Stockelsdorf eine "Handlungsempfehlung Stromausfall" aufgestellt, die die Gemeindeverwaltung und die Gemeindewehrführung im Ernstfall abarbeiten kann. 
Stockelsdorf
Ein Stromausfall kann schnell zu einem Problem werden, auch wenn man nicht an einer Herz-Lungen-Maschine hängt. In der Nacht, wenn auch die Straßenbeleuchtung ausgeht, keine Uhren- oder Radiodisplays mehr leuchten und das Handy nicht in Reichweite liegt, kann es schwer werden, sich in der eigenen Wohnung zurechtzufinden. In diesem Fall eine Taschenlampe am Bett liegen zu haben ist nicht verkehrt.

Bei längeren Stromausfällen besetzt die Gemeinde Stockelsdorf gemeinsam mit der Führungsgruppe der Feuerwehr den Sitzungssaal des Rathauses als Krisenzentrum. Der Saal ist notstromversorgt und mit der notwendigen Technik ausgestattet. Zur Kommunikation werden zwei Satelitentelefone eingesetzt. Die Feuerwehrgerätehäuser werden spätestens nach 30 Minuten besetzt und die Wehren kommunizieren über Funk. Im Notfall müssten diese dann persönlich aufgesucht werden, wenn kein anderer Notruf abgesetzt werden kann.

"Wichtig auf unserer Agenda ist auch noch die Kraftstoffversorgung", führt Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) den Plan weiter aus. Denn auch Tankstellen können nur Kraftstoffe abgeben, wenn Strom vorhanden ist. Eventuell könne man sich vorstellen, eine Notstromversorgung an den Tankstellen zu etablieren. Damit müssten sich aber erst einmal die jeweiligen Betreiber einverstanden erklären.

Aber auch jeder Einzelne kann etwas dafür tun, damit keine unnötigen Aufruhr entsteht. Die Bürgermeisterin legt den Stockelsdorfern Tipps des Bundesamtes für Katastrophenschutz ans Herz: Keine unnötigen Telefonate führen, um die Netze nicht zu überlasten, für stromlose Lichtquellen sorgen, ein batteriebetriebenes Radio kann Informationen auch ohne Strom liefern (notfalls das Autoradio), eventuell geladene Powerbanks im Haus vorhalten, damit im Notfall die Mobiltelefone länger halten, wenn die Netze noch nicht zusammengebrochen sind. Man sollte sich auch einen kleinen Frischwasservorrat anlegen und haltbare Lebensmittel vorrätig haben. www.bbk.bund.de

Gemeidewehrführer Günther Volgmann gibt noch zu bedenken, dass es sich empfiehlt, Geräte, die nicht zwingend gebraucht werden, nicht wie sonst gern auf Standby zu halten, sondern vom Netz zu trennen. Denn wenn diese auch wieder mit Strom versorgt werden müssen, wenn die Versorgung wieder hochgefahren wird, erschwert das unnötig die Wiederaufnahme der Versorgung. 

Im Durchschnitt dauern Stromausfälle in Deutschland 133 Minuten. Im Mai 2018 waren ca. 145.000 Haushalte im Großraum Lübeck vier Stunden und teilweise länger ohne Strom. Dies ist immer noch keine Gefahr für tiefgekühlte Lebensmittel. Je nach Isolierung sind die Lebensmittel 10 bis 64 Stunden sicher vor Verderb laut einem Hersteller. Die allgemein übliche Annahme besagt: 5 bis 7 Stunden sowohl im Kühlschrank als auch Tiefkühltruhe sind kein Problem für die Lebensmittel, aber nur wenn die Klappe zubleibt. 
Inken Schmidt