Politik in Stodo
Verlauf der 380-kV-Leitung über Stockelsdorfer Gebiet immer noch ein Streitpunkt
Trasse für 380-kV-Leitung

Der braun dargestellte Verlauf ist momentan favorisiert von TenneT für die 380-kV-Leitung. Sollte es im weiteren Verlauf zu einer Erdverkabelung kommen, müssten dort zwei voneinander getrennte Leitungen langlaufen.

(Foto: Inken Schmidt/Stodo.NEWS)
TenneT bekam viel Kritik für ihre Kommunikationspolitik. Es wird wohl nie einen optimalen Verlauf für die 380-kV-Leitung geben. Irgendjemand wird immer davon betroffen sein. Aber irgendwie muss der erzeugte Strom abtransportiert werden. Am 9. November wurden in Stockelsdorf in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen, Planung und öffentliche Sicherheit (UBPöS) nun endlich darüber informiert.
Stockelsdorf
Vor dem UBPöS gab es eine kurze Gemeindevertretersitzung, auf der es um den Beschluss ging, zukünftig in außergewöhnlichen Notsituationen auch die nötigen Sitzungen digital abhalten zu können. Zu Beginn jedoch rief Bürgervorsteher Manfred Beckmann zu einer Schweigeminute auf und erinnerte daran, dass der 9. November ein schicksalsträchtiger Tag der deutschen Geschichte ist. 1918 Ausrufung der Deutschen Republik (Ende der Monarchie), 1923 Putschversuch Hitlers gegen die demokratische Reichsregierung, 1938 Reichspogromnacht und schließlich 1989 der Mauerfall, ebenfall ein 9. November. 

Zum Beschluss der digitalen Sitzungen ist jedoch noch nicht endgültig geklärt, wie die Öffentlichkeit mit einzubinden ist, dies ist jedoch Bedingung einer auf digitalem Wege abgehaltenen Sitzung. 

Im UBPöS stellte TenneT endlich die neuen Verläufe der 380-kV-Leitung vor

Vorab: TenneT ist zum Netzausbau gesetzlich verpflichtet. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht vor, dass regenerativ erzeugter Strom vorrangig ins Stromnetz eingespeist und abtransportiert wird. Aufgrund des enormen Zuwachses an regenerativen Energien an der Ostküste Schleswig-Holsteins entstand dort in den letzten Jahren ein Engpass. Die 220-kV-Bestandsleitung müssen also durch eine 380-kV-Leitung ersetzt werden. TenneT legt nicht den Bedarf fest, das wiederum macht die Bundesnetzagentur.

Für die Dörfer rings um Stockelsdorf geht es jetzt aber vor allem darum, wo die Leitung langlaufen soll. Horsdorfs Dorfvorsteher Robert Muus berichtete im UBPöS davon, dass er mit TenneT damals zusammengesessen hat und den Standort jedes einzelnen Strommastes mit den Landwirten, auf deren Feldern er stehen sollte, geplant hat. Die Trasse könnte jetzt aber doch anders verlaufen, als ursprünglich geplant. Es ist nicht neu, das Anfangsplanungen auch mal sich selbst überholen, sei es dass neue Erkenntnisse vorliegen oder eine wirtschaftlichere Vorgehensweise ermittelt wurde. Für beteiligte und unbeteiligte Dritte, die in diesem Fall schon fast als Geschädigte zu benennen sind, denn niemand hat gern einen Strommast auf seinen Feld stehen, bzw. wohnt gern in der Nähe einer Stromtrasse, ist es dennoch mehr als ärgerlich. 

Von den Kommunalpolitikern, der Bürgermeisterin und den vier anwesenden Landtagsabgeordneten musste TenneT aufgrund ihrer misslungenen Kommunikationspolitik viel Kritik einstecken. So drückte die Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) z. B. ihren Unmut darüber aus, wie das gesamt Verfahren bisher gelaufen ist. Obwohl es am 13. August diesen Jahres einen Info-Veranstaltung in Sereetz gab, bei der sie anwesend war, erfuhr sie erst eine Woche später durch Robert Muus von der möglichen zweiten Trasse, die durch Stockelsdorfer Gebiet laufen soll, weil auf der Veranstaltung nur die Rede von der Leitung Stodo-Göhl war. „Seitdem habe ich versucht, rauszufinden, warum das so sein muss“, erklärte sie weiterhin. Auf ihre wiederholten Nachfragen an TenneT gab es jedoch bisher keine Antworten.

Aus der Präsentation von TenneT ging hervor, dass es im Falle einer Erdverkabelung auf der Strecke Lübeck - Göhl zwei getrennte Leitungen vom Umspannwerk (UW) „Raum Lübeck“ (sagen wir doch gleich Stockelsdorf) ausgehend geben muss. Allerdings wird es nach jetzigem Kenntnisstand bei TenneT kein Erdkabel in diesem Abschnitt geben, daher wird eine andere Netzstruktur, die sogenannte Einschleifung, weiterverfolgt, sie wird momentan noch auf Machbarkeit geprüft. (Umspannwerk Siems wird in die Leitung zwischen Stodo und Göhl „eingeschleift“.) Sollte sich aber in der fortlaufenden Planung doch ein Erdkabelabschnitt ergeben, "sind aus Gründen der Übertragungsfähigkeit zwei getrennte Leitungen zu planen" heißt es weiter in der TenneT-Präsentation. Also doch wieder alles mit viel hätte - würde - könnte versehen.

Die Leitung vom UW Stodo nach Siems soll nach bisheriger Favorisierung von TenneT nördlich um den Pariner Berg verlaufen, denn hierfür wurden folgende Vorzüge ermittelt: Sichtachsen Lübeck weniger gestört, weniger Siedlungsannäherung, keine Siedlungsachsen vorhanden,  überwiegende Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, weniger Waldeingriffe. Ein neues Umspannwerk braucht man für die 380-kV-Leitungen nebenbei auch noch. Das wird wiederum in einem anderen Genehmigungsverfahren behandelt.

Bisher steht also fest: Ja, es gibt eine Feinplanung, diese ist aber längst noch nicht festgemeißelt, es können sich immer noch hier und da Änderungen ergeben. TenneT kann noch so sehr bemüht sein, wenig Eingriffe in FFH-Wälder vorzunehmen, das Kollisionsrisiko mit Wasservögeln zu begrenzen und so wenig Siedlungsannäherungen wie möglich zu haben, es wird immer Betroffene geben. Landtagsabgeordneter Hartmut Hamerich (CDU) empfahl der TenneT, mit eng beteiligten Gemeinden gemeinsam eine Info-Veranstaltung abzuhalten, damit sie sich nicht gegeneinander ausgespielt fühlen. Damit hätte man vielleicht auch die Fehlplanung der Trasse über das neu entstehende Gewerbegebiet bei Scharbeutz vermeiden können. TenneT lehnte mit der Begründung ab, dass man in diesen Zeiten nicht 150 Leute in einen Raum bringen könne und man sich in Ostholstein Nord nicht dafür interessiere, wo die Masten in Ostholstein Süd stehen werden und umgekehrt. So wird weiterhin mit jeder Gemeinde separat gesprochen.

Damit war die Sitzung aber noch lange nicht zu Ende. Spielplatz-Experte Marco Timme gab einen Einblick in die Zustände der Stockelsdorfer Spielplätze. Die Holzkonstruktionen seien größtenteils alle "abgängig" und vielfach durch Kombinationen aus Metall und Kunststoff ersetzt worden, die meist kindgerecht bunt ummantelt sind. Gemeindevertreterin Sabine Gall-Gratze (Grüne) gab ein paar Denkanstöße, welche Spielplätze, da wenig bespielt oder dicht beieinanderliegend, als eventuelle Baugrundstücke in Frage kämen und ob es denkbar wäre, die Spielplätze der Schulen für die Aöögemeinheit zu öffnen.

Zum Haushalt 2021 gab es noch ein paar Einsparmitteilungen seitens der Verwaltung, die erklärungsbedürftig waren. Einige Maßnahmen könne man noch schieben, bzw. die Ansätze geringer wählen und die Mittel über den Nachtragshaushalt einwerben. 
Inken Schmidt