Putzig aber dennoch Raubtier
Waschbären erobern Stockelsdorf
Waschbär

Waschbären gelten als scheu. Auf der Suche nach Nahrung und ein Versteck richten sie aber viel Schaden an. 

(Foto: Wildtierkamera)
Ein Anwohner in der Nähe des Rensefelder Weges in Stockelsdorf konnte es nicht glauben: Seine Wildtierkamera zeigte auf dem Dach nicht nur den überall üblichen Marder, sondern auch einen Waschbären!
„Wir hatten vor ein paar Jahren einen Marder auf dem Dachboden, aber da habe ich alles abgedichtet, da kommt keiner mehr rein.“ Dann wollte er aber wissen, was auf seinem Dach so alles los ist, denn es rumorte immer weiter und auch seine Mülltonnen wurden des nachts bereits geöffnet. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Marder das schafft“, erzählt er. Auch das mindestens 30 cm tiefe Loch in seinem Garten stellte ihn vor ein Rätsel. Bis er dann zwei Wochen später auf den Aufnahmen seiner Wildtierkamera den Waschbären sah.

Die erste Reaktion ist häufig: Och, wie niedlich. Aber in Sekundenbruchteilen wird einem gewiss: Gar nicht gut!   

Auf Fotos, Videos und von Weitem mögen sie niedlich erscheinen, aber wehe man hat sie selber auf dem Dachboden oder im Garten: Waschbären treiben überall wo sie auftauchen Undöög.

Sie graben Löcher, verwüsten Blumenbeete, räumen Mülltonnen aus, zersören die Dachisolierung und rauben vielen den Schlaf durch ihre Nachtaktivität. Mal ganz davon abgesehen, dass der Waschbär auch Parasiten auf Menschen und Haustiere übertragen kann. Häufig ist er befallen von einem Spulwurm, der auch bei Menschen das zentrale Nervensystem schädigen kann (selten, kann aber vorkommen). Die Eier des Spulwurms werden durch den Kot übertragen. Daher sollten Sie Waschbärkot möglichst verbrennen und bei dessen Beseitigung stets Handschuhe tragen.

Die Größe der Streifgebiete variiert zwischen 0,03 Quadratkilometer für Weibchen in Städten und 49,5 Quadratkilometer für Männchen in der Prärie sagt Wikipedia. In Stockelsdorf wird sie also irgendwo dazwischenliegen. 

Was kann man gegen sie tun?

Selbst mit Lebendfallen kommt der Privatmann nicht weiter, denn sogar Jäger brauchen dazu einen Zusatzschein.

Also ist das Naheliegendste, ihm seine Nahrungsquelle zu entziehen. Nicht nur die Biotonne sondern alle Mülltonnen sollte man mit einem Spanngurt verschließen oder mit einem großen Stein beschweren. Auch die gelbe Tonnen, denn selbst die kleinsten Lebensmittelreste locken diese Quälgeister an. So auch Speisereste auf dem Komposthaufen. Diesen sollte man dann entweder unzugänglich machen oder gleich einen Schnellkomposter benutzen. Fallobst regelmäßig einsammeln, kein Tierfutter draußen stehen lassen, auch Vogel und Eichhörnchenfutter darf für den Waschbären nicht erreichbar sein. Hängt es z. B. an kleinen Ästchen ist es für Vögel und die leichten Eichhörnchen gut zugänglich, die relativ großen und schweren Waschbären kommen nur dran, wenn der Ast abbricht, aber Vorsicht: Sie sind lernfähig.

Da sie auch neugierig sind, sollte man seine Katzenklappe nur von der eigenen Mieze öffnen lassen können, sonst könnte es vorkommen, dass der Waschbär nicht nur Ihr Blumenbeet zerstört. Metallmanschetten hindern sie am Stamm hochklettern, nützt aber nichts, wenn sie den Baum von anderer Stelle erreichen können. Begrünung am Haus begünstigt natürlich das Hochklettern, aber auch das Fallrohr bietet Halt. Es ist also nicht einfach, den Waschbären in seine Schranken zu weisen.

Weitere Tipps finden Sie unter: wildtierrettung.de
Inken Schmidt