Stockelsdorf

Löschmeisters Otto Schöning Rede erfüllt den Raum mit Dankbarkeit und Stolz

Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Stockelsdorf

[STOCKELSDORF]

Das war eine außergewöhnliche Veranstaltung: die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Stockelsdorf brachte den abwesenden informative, aber auch rührende Elemente. So die Rede des 95 Jahre alten Löschmeisters Otto Schöning. Für die musikalische Begleitung des Abends sorgte der Feuerwehrmusikzug, der der Veranstaltung einen festlichen Rahmen verlieh.

Gemeindewehrführer Lars Schöppich wies in seinem Jahresbericht auf zahlreiche Einsätze, intensive Ausbildungsmaßnahmen, wichtige Investitionen und eine stabile Mitgliederentwicklung zurück. Ein arbeitsreiches und zugleich erfolgreiches Jahr liege hinter der Gemeindefeuerwehr Stockelsdorf.  In allen Ortsteilen gehören der Wehr aktuell 376 aktive Kameradinnen und Kameradenan . Ein bedeutender Baustein für die Nachwuchsgewinnung seien neben der Jugendfeuerwehr auch die Kinderabteilungen, die derzeit bei der Freiwillige Feuerwehr Klein Parin/Pohnsdorf sowie der Freiwillige Feuerwehr Eckhorst bestehen. Auch die Jugendfeuerwehr bleibe eine tragende Säule. Unter der Leitung von Gemeindejugendwart Alexander Wehowsky werde hervorragende Arbeit geleistet, die regelmäßig junge Menschen in die Einsatzabteilungen führe.

Um die Einsatzkräfte auf bestmöglichem Ausbildungsstand zu halten, wurden 2025 zahlreiche Lehrgänge, Fortbildungen und Übungen absolviert. Insgesamt nahmen Kameradinnen und Kameraden der Gemeindefeuerwehr an 278 Lehrgängen auf Kreis- und Landesebene teil. Hinzu kamen Ausbildungsdienste auf Gemeindeebene sowie regelmäßige Übungsdienste in den Ortswehren. Realitätsnahe Alarmübungen ergänzten das Ausbildungsjahr: Im April organisierten Kameraden der Freiwillige Feuerwehr Mori eine groß angelegte Übung in der Ahrensböker Straße mit mehreren beteiligten Wehren. Eine weitere Einsatzübung wurde durch Kameraden der Freiwillige Feuerwehr Dissau und der Freiwillige Feuerwehr Curau vorbereitet, bei der unter winterlichen Bedingungen ein Wohnhausbrand simuliert wurde.

Die intensive Ausbildung zahlte sich aus: Insgesamt bewältigten die Feuerwehren 245 Einsätze im eigenen Ausrückebereich sowie 61 Einsätze im Rahmen der nachbarlichen Löschhilfe. Schwerpunkte bildeten Kleinbrände, Türöffnungen und Unwettereinsätze. Zwei Einsätze bleiben besonders in Erinnerung: Am 23. Februar 2025 geriet in Pohnsdorf ein Wohnmobil in Brand. Im weiteren Verlauf explodierte eine Gasflasche, das Feuer griff auf ein benachbartes Einfamilienhaus über. Fünf Ortswehren der Gemeinde sowie die Freiwillige Feuerwehr Bad Schwartau-Rensefeld waren im Einsatz.

Eine moderne Ausstattung bleibt Grundlage für erfolgreiche Gefahrenabwehr. 2025 konnten ein neues Löschfahrzeug LF 20 für die Freiwillige Feuerwehr Stockelsdorf sowie ein Mannschaftstransportwagen für die Jugendfeuerwehr in Dienst gestellt werden. Kurz vor der Auslieferung stehen zudem ein LF 20 für die Feuerwehr Mori sowie ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) für die Freiwillige Feuerwehr Malkendorf.

Es folgten der Jahresbericht der Jugendfeuerwehr, vorgetragen von dem stellvertretenden Gemeindewehrführer Dr. Markus Dahlke, der Jahresbericht des Feuerwehrmusikzuges, verlesen durch die Musikzugführerin und stellvertretende Gemeindewehrführerin Andrea Kaacksteen und der Bericht des Kassenführers Georg Muus und die Bestätigung einer ordentlich geführten Kasse durch die Kassenprüfer sowie die erforderlichen Beschlussfassungen.

Rückblickend bezeichnete  Bürgermeisterin Julia Samtleben das vergangene Jahr als vergleichsweise ruhig, was sich aber nicht auf die Einsätze bezog. Sie betonte jedoch, dass diese Ruhe kein Zufall sei. Sie sei das Ergebnis guter Abstimmung, klarer Strukturen und einer gelebten Kameradschaft in allen Ortswehren. „Nicht Einzelne tragen die Feuerwehr, nur gemeinsam sind wir stark“, so ihre zentrale Botschaft. Dass die Zusammenarbeit im Ernstfall funktioniert, hätten mehrere Einsätze eindrucksvoll gezeigt wie das Feuer in Pohnsdorf im Februar 2025, der Brand im Parkweg sowie ein Garagenbrand Ende Januar 2026. Hier habe sich die Professionalität und die gute Abstimmung der Wehren, auch unter dem Aspekt der Tagesverfügbarkeit, deutlich bewährt.

Der stellvertretende Leiter der Polizeistation Stockelsdorf, Christoph Münzel, bedankte sich in seiner Rede für die vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit Hand in Hand mit den Freiwilligen Feuerwehren bei vielen Einsätzen sowie die gute Kommunikation auf Augenhöhe. „Wir alle sind auf Feuerwehr und die Polizei angewiesen und die Bevölkerung kann sich auf beide hundertprozentig verlassen. Feuerwehr und Polizei sind an 365 Tagen im Jahr erreichbar.

Und dann kam einer jener seltenen Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint: Als der 95-jährige Löschmeister Otto Schöning aus der Ehrenabteilung der Freiwillige Feuerwehr Obernwohlde das Wort ergriff, wurde es im Versammlungsraum still. Seit 1947 gehört er der Wehr an, beeindruckende 79 Jahre im Dienst für die Gemeinschaft. Mit fester Stimme und wachem Geist nahm Otto Schöning die Anwesenden mit auf eine Reise durch Jahrzehnte gelebter Kameradschaft, Pflichtbewusstsein und Mut. Er erinnerte sich an die Anfänge nach dem Krieg, als durch den ersten Geräteschuppen noch der Wind pfiff, eine Zeit, in der Ausrüstung knapp war, der Wille zu helfen jedoch umso größer.Besonders eindrucksvoll schilderte er den Einsatz während der Sturmflut 1954 in Timmendorfer Strand. Dort sicherten die Kameraden das Seeschlösschen mit Sandsäcken gegen die Naturgewalten. Zwischen Wind und Wasser kam es zu einer Begebenheit, die bis heute in Erinnerung geblieben ist: Als der Wirt des Hauses den erschöpften Feuerwehrmännern den Gang zur Toilette verwehren wollte, stellte sich Otto Schönings Vater – damals Ortswehrführer in Obernwohlde – schützend vor seine Kameraden. Er wies den Wirt entschieden in die Schranken. Die anwesenden Gäste applaudierten spontan und luden die Feuerwehrleute schließlich zu Speis und Trank ein, ein bewegendes Zeichen von Respekt und Dankbarkeit. Auch bei der verheerenden Sturmflut 1962 in Hamburg zögerte Otto Schöning keinen Moment. Gemeinsam mit seinen Kameraden machte er sich auf den Weg, um zu helfen. Ursprünglich brachten sie Handtücher und Sanitärartikel in die Hansestadt, doch vor Ort wurden sie direkt von der Leitstelle in den Einsatz eingebunden. Sie pumpten vollgelaufene Keller leer, halfen, wo Hilfe dringend gebraucht wurde. Eine Begegnung aus diesen Tagen ist Otto Schöning bis heute im Gedächtnis geblieben: Eine ältere Dame beobachtete die Arbeiten und fragte neugierig, was Obernwohlde denn für eine Stadt sei. „Ein Dorf mit 290 Einwohnern“, antwortete er. Staunend erwiderte sie: „Und dann habt ihr so ein schönes Feuerwehrfahrzeug?“ Eine kleine Szene, die den Stolz und die Leistungsfähigkeit selbst einer kleinen Dorfgemeinschaft eindrucksvoll widerspiegelt. Zum Abschluss seiner bewegenden Worte äußerte Otto Schöning einen Herzenswunsch: Im kommenden Jahr, so Gott will, möchte er seine 80-jährige Mitgliedschaft feiern. Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen. Minutenlanger, stehender Applaus erfüllte den Raum, ein Zeichen tiefster Anerkennung, großer Dankbarkeit und ehrlicher Verbundenheit.

Nach einer kurzen Pause ging es dann mit der Wahl des Kassenverwalters weiter. Georg Muus, der sich zur Wiederwahl stellte, wurde mit sehr großer Mehrheit im Amt bestätigt. Zu Kassenprüfern wurden einstimmig Markus Kayser (Freiwillige Feuerwehr Arfrade) und Jannik Palte (Freiwillige Feuerwehr Curau) gewählt.

Im feierlichen Rahmen der Jahreshauptversammlung standen aber nicht nur Berichte und Ausblicke auf der Tagesordnung, sondern vor allem die Menschen, die seit Jahrzehnten das Rückgrat der Gemeindefeuerwehren bilden. Bürgermeisterin Julia Samtleben nahm die Ehrungen persönlich vor und würdigte in bewegenden Worten das außergewöhnliche Engagement der anwesenden Jubilare.

Drei Kameraden hatten zur Jahrtausendwende den Schritt ins Ehrenamt gewagt und stehen bis heute verlässlich im Dienst der Allgemeinheit. Mit dem Brandschutz-Ehrenzeichen am Bande in Silber wurden ausgezeichnet Löschmeister Johannes Hagel, Freiwillige Feuerwehr Obernwohlde, Oberfeuerwehrmann Christian Hapel, Freiwillige Feuerwehr Obernwohlde, Hauptbrandmeister Dr. Markus Dahlke, Freiwillige Feuerwehr Mori, Oberfeuerwehrmann Soeren Franck, Freiwillige Feuerwehr Malkendorf und Hauptfeuerwehrmann Eike Jörn Franck, Freiwillige Feuerwehr Malkendorf.

Mit besonderem Respekt blickte die Versammlung auf jene Kameraden, die seit 50 Jahren und länger Teil der Feuerwehrfamilie sind: Oberlöschmeister Andreas Dähring und Löschmeister Wilfried Evers, beide Freiwillige Feuerwehr Mori und Erster Hauptbrandmeister und Ehrengemeindewehrführer Günter Volgmann, Freiwillige Feuerwehr Malkendorf. Für 70 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr wurde in Abwesenheit der Löschmeister Werner Braun von der Freiwilligen Feuerwehr Dissau mit einem Präsentkorb, den stellvertretend der Ortwehrführer Toni Boddin entgegennahm, geehrt.

Neben den Ehrungen wurden folgende Kameradinnen und Kameraden befördert: Ulric Liepholz zum Hauptfeuerwehrmann. Benjamin Jaacks, Max Erdmann, Finn Nissen zum Oberlöschmeister, Jana Sievers zur Hauptlöschmeisterin, Michael Ahrns zum Hauptlöschmeister sowie Toni Boddin zum Brandmeister.

 

 

 

 

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